Statusbericht

Zusammenfassung:
Die Jagdschiessanlage besteht seit 1965. Davor war das Areal als Handgranatenstand, vermutlich vom Waffenplatz Kloten-Bülach, genutzt. Die Jagdschiessanlage wurde bis in die 90er Jahre immer wieder erweitert. Sie besteht aus einer Trapund einer Skeetanlage, drei Jagdparcours u.a. mit Roll- und Kipphasen sowie aus einem Jagdschiessstand (Keiler 65 m, Reh 100 m und Gämse 150 m).
 
Die Jagdschiessanlage besteht seit 1965. Davor war das Areal als Handgranatenstand, vermutlich vom Waffenplatz Kloten-Bülach, genutzt. Die Jagdschiessanlage wurde bis in die 90er Jahre immer wieder erweitert. Sie besteht aus einer Trap und einer Skeetanlage, drei Jagdparcours u.a. mit Roll- und Kipphasen sowie aus einem Jagdschiessstand Die wesentlichen Anlageteile wurden alle bewilligt. Allerdings konnte die Recherche der Baubewilligungen auch Lücken aufzeigen, wie u.a. bei den Wällen der Skeetanlage I, der Schiesstafel, bei dem zeitweise betriebene Abwurfhäuschen beim Jagdparcours Wald sowie bei den Rollhasen des Parcours Kugelstand. Ob die Lücken auf fehlende Unterlagen oder gar auf fehlende Bewilligungen zurückzuführen sind, lässt sich abschliessend nicht beantworten.

Bis vor 5 Jahren wurde mit Blei geschossen, seither mit Ausnahme der Kipphasen 
praktisch ausschliesslich mit Eisenschot. 
Auf dem Untersuchungsareal wie auch im angrenzenden Wald existiert grossflächig eine künstliche Auffüllung von 0.1 bis 0.3 m Mächtigkeit, die aus Wurfscheiben, Wurfscheibenfragmente und Schrotbecher besteht.

– Auf dem ganzen Areal der Jagdschiessanlage, im Ried wie auch im Wald bis zur Töss sind die Deckschichten bis 20 cm Tiefe deutlich mit Wurfscheibenfragmenten durchsetzt.
– Beim Jagdschiesstand ist der Boden teilweise massiv mit Bleikugeln übersät. 
– Im Wald, rund 75 m von der Trapanlage entfernt, besteht ein Schrot-Depositionssaum. 
– Auch der Gegenhang der Töss ist bleibelastet. Der Bleiperimeter umfasst z.T. Fruchtfolgeflächen. 
– Zwei Quellwasserläufe beim Jagdparcours Wald sind mit zahlreichen Wurfscheibenfragmenten sowie vielen Schrotbechern befrachtet. 
– Der Bleidepositionsperimeter beim Jagdparcours Kugelstand reicht bis in die Grundwasserschutzzone S3 und S2 der Grundwasserfassung I6-24.
 
Die künstliche Auffüllung ist hoch schadstoffbelastet. Es handelt sich dabei um Sonderabfall. Die Hauptverunreinigungsparameter sind PAK, Antimon und Blei. Die PAK-Belastungen sind auf die früher verwendeten Wurfscheiben zurckzuführen. Die Belastungen decken sich in etwa mit den aus der Literatur recherchierten Daten über die Zusammensetzung der Wurfscheiben. Antimon und Blei stammen aus dem Bleischrot. Die Schadstoffe werden stark ausgelaugt, sodass gemäss Altlasten-Verordnung heute ein Sanierungsbedarf besteht. 
Auch die weit verbreiteten Deckschichten, die mit Wurfscheiben, Wurfscheibenfragmenten und Schrothülsen durchsetzt sind, sind stark mit PAK, Blei und Antimon belastet. Auch hier handelt es sich um Sonderabfall. Das Rückhaltevermögen der Deckschichten gegenüber Schadstoffen wird nicht zuletzt aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Mächtigkeit als gering beurteilt. Dies bestätigen auch die Bodenuntersuchungen, die zeigen, dass bei den stark belasteten Böden die Schadstoffe tatsächlich mobilisierbar sind. 
Die Grundwasseranalysen zeigen massive grossflächige Belastungen vor allem durch Antimon, aber auch durch Blei sowie an einer Stelle durch Benzo(a)anthtracen. Die Belastungen zeigen gemäss Altlasten-Verordnung einen Sanierungsbedarf an. 
Das Schadstoffpotential an PAK und Blei/Antimon ist gross. So ist damit zu rechnen, dass im Bereich der Jagdschiessanlage rund 10'000 bis 24'000 kg PAK liegen. Zudem sind ca. 200'000 bis 250'000 kg Blei und ca. 500 bis 600 kg Antimon/Arsen rund um die Jagdschiessanlage zu erwarten.

Es ist davon auszugehen, dass die Belastungen des Grundwassers erst der Anfang einer sogenannten "Lösungswelle" bedeuten. D.h. es ist damit zu rechnen, dass die Grundwasserbelastungen mit zunehmend besserer Verfügbarkeit der Schadstoffe in Zukunft noch deutlich zunehmen werden.
 
  Es gibt eine Vielzahl von raumplanerischen Zonen, die das Untersuchungsgebiet tangieren. Wichtige Zonen sind: 
  a) der Perimeter der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN Objekt Nr. 1410 Irchel (Anhang 8a) und 
  b) der Perimeter Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung Objekt Nr. 344. Beide umfassen die gesamte Jagdschiessanlage (Anhang 8a) 
  c) Die überkommunale Naturschutzzone I nimmt weite Teile der gesamten Jagdschiessanlage ein (Anhang 8b), 
  d) die überkommunale Waldschutzzone IV, wird hauptsächlich vom Jagdparcours Schilf betroffen (Anhang 8b) und 
  e) die Grundwasserschutzzonen S1, S2 und S3 der Fassungen l6-24, l6-25 und der Quellwasserfassung Römerweg, werden vom Bleibelastungsperimeter des Jagdparcours Kugelstand betroffen (Anhang 8c).
 
Eine Jagdschiessanlage verträgt sich schlecht mit einem BLN- bzw. einem Auengebiet. Die Jagdschiessanlage ist seit 1965 in Betrieb, die Objekte der beiden Bundesinventare wurden zu einem späteren Zeitpunkt erlassen. Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes ist aus raumplanerischer Sicht unverhältnismässig, aber aus altlastenrechtlicher Sicht angezeigt. 
Die Naturschutzzone wie auch die Waldschutzzone IV dulden keine Ablagerungen aller Art, wie sie hier nachweisbar sind. 
Das Lagern und Verwenden von festen Stoffen, die das Grundwasser verunreinigen können (hier vor allem Bleischrot), ist in der Schutzzone S2 und S3 verboten.

Link zum ganzen Statusbericht

Beilagen
B0 Situation der bewilligten Anlagen
B1 Situation der Sondierstellen
B2 Isohypsen der Felsoberfläche
B3 Isohypsen des Grundwasserspiegels
B4 Abwurfkegel der Wurfscheiben und Depositionsbereiche
B5 Sondierstellen
B6 Chemische Analysen des belasteten Bodens
B7 Grundwasseranalysen
B8 PAK-Belastungen im Boden
B9 Blei-/Schrot-Belastungen im Boden

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